Speakers Corner

image_uploads/2.12._Zusammen_mit_den_drei_groen_Jungs_beim_Speakers_Corner.JPG Magdeburg (dr).

"Bürger Magdeburgs!!!"

So begann eine der 9 Reden, die Jugendliche am 24.11. und 2.12. in der Magdeburger Innenstadt hielten.

Auf Kisten standen wir dort, erhielten die Aufmerksamkeit der Passanten und verteilten Flyer und Kulturfalter für StadtTräume.

 

Hier einige der Reden: 

Magdeburg in Zahlen

Magdeburg – Wer bist du?

Einst blühendes Zentrum von Geist und Kultur

Schenktest Künstlern die Muse

Schicktest Freigeister auf Gedankenreise

Versetztes der Forschung immer wieder neue Impulse

Warst Vorreiter in Recht, Architektur, Technik

 

Hast schon viel gesehen

Und viel erlebt

Zerstörung

Krieg

Hunger

Pest

Dein Gesicht ward oft entstellt

Deine Errungenschaften niedergekämpft

Und doch verblüffst du, Magdeburg

 

Denn wer genauer hinschaut

Mit ungetrübten Blick und Meinung,

der erkennt die Schönheit hinter bröckelnden Fassaden

deine Dynamik hinter tot Gesagten Mauern und Gestein

 

Nein, du hast kein Chic,

kein Glanz

zeigst keinen Prunk aus vergangenen Zeiten

und doch strahlst du mit all deiner Stärke,

die nichts mit Äußerlichkeiten zu tun hat

kein Flair der Vollkommenheit, das du vermittelst

- aber eben das ist es, was dich so besonders macht

Weil du nicht perfekt bist

Weil du Raum für Visionen gibst ohne zu desillusionieren

Und dabei anregst neues zu wagen

Weil du dich formen und verändern lässt

Eben weil du nie „geworden“ bist,

sondern stets im Werden

das macht dich so lebendig

so liebenswürdig

so menschlich

deine Tugend liegt an den Türen, die du öffnest

an den Rahmen und die Etikette, die du nicht hast

und hoffentlich nie haben wirst

 

Bürger Magdeburgs, entdeckt eure Stadt neu! Nehmt euch die Zeit, sie ein wenig besser kennen zu lernen und erhaltet bis dato unbekannte Einblicke in das Leben eurer Stadt!

Lasst uns gemeinsam auf die Reise gehen und erlebt Magdeburg mit anderen Augen!

 

Unsere Reise soll uns zunächst dorthin führen, wo alles begann. – Nein, nicht in das Jahre 805, welches als offizielles Geburtsjahr der „Magadoburg“ gefeiert wird … Die Wurzeln Magdeburgs reichen viel tiefer in die Vergangenheit.


Traumstadt Magdeburg

Einen wunderschönen guten Tag!

Herzlich willkommen zu einem kleinen Experiment. Zu einem kleinen Ausflug.  Zu einer Gedankenreise!

 

Darf ich Sie zunächst kurz  fragen, von wo sie kommen?  Aha und aus welchem Stadtteil?…  ah … und Sie? Sind Sie in der letzten Zeit einmal in Buckau gewesen? Sie kennen Buckau?! Sind Sie in der letzten Zeit einmal da gewesen?

Buckau, diesem Stadtteil im Süden Magdeburgs, direkt an der Elbe. Buckau – der ehemaligen Hochburg der Schwerindustrie Magdeburgs.  Buckau, in dem leerstehende Industriebauten nicht mehr weg zu denken sind.

Buckau.

Buckau, in dem es das Volksbad gibt. Den Mückenwirt. Das Literaturhaus. Den  Abtshof. HOT und BAJ.

Buckau.

Buckau, in dem von einkommensschwach bis einkommensstark, von Studenten bis Sozialhilfeempfänger viele ganz unterschiedliche Menschen leben und wohnen. Zusammen in Buckau. Wirklich zusammen? Oder doch eher nur nebeneinander her?

 

Stellen Sie sich nun vor, dass es einen Ort in Buckau gibt, der den Bürgern Platz bietet. Platz sich zu treffen, sich auszuprobieren, sich auszutauschen. Miteinander ins Gespräch zu kommen.

Stellen Sie sich vor, diesen Ort würde es in Buckau geben. Und er würde nicht nur Buckauer anziehen, sondern Menschen aus ganz Magdeburg.

Wie müsste dieser Ort aussehen?

 

Wie kann so ein Ort in einem Stadtteil wie Buckau aussehen? Buckau, das mit seiner industriell geprägten Vergangenheit mittlerweile in einer kleinen Identitätskrise steckt.

Was bietet sich in Buckau mehr an, als ein leerstehendes Industriegelände?

Die Industrie, längst verschwunden, kann den Gebäuden und Grundstücken schon lange kein Leben mehr schenken. Langsam macht sich die Natur auf, die Gebiete und Häuser langsam für sich zurück zu erobern.

Die Gelände, früher quirlig, belebt und von immenser Wichtigkeit für die Industrie sind nun also ausgestorben. Aber ihre Vergangenheit verschwindet deswegen nicht. Sie können uns immer noch eine  Geschichte erzählen. Wenn wir ihnen zuhören. 

Ist es nicht auch ein wenig unsere Pflicht, ihnen die Chance zu geben, für uns eine neue Bedeutung einzunehmen? Eine neue Aufgabe zu zuteilen?

Wir können sie weiterhin als schwarze Flecken auf dem Stadtplan behandeln, wir können ihnen aber auch die Möglichkeit einräumen zu uns zu sprechen und ihnen eine neue Bedeutung zuzuweisen.

 

Was wäre, wenn man auf so einem Gebiet nun einen Treffpunkt – eine Begegnungsstätte einrichten würde?

Den Menschen verschieden Möglichkeitsräume eröffnet. Sich selbst zu erfahren und auszuprobieren, andere Menschen kennen zu lernen und miteinander in Kontakt zu treten.

Würde es angenommen werden? Würde es überhaupt genutzt werden?

Die Antworten sind reine Mutmaßungen. Deswegen spare ich sie mir an dieser Stelle. Sie können sich gerne Ihren Teil denken!

 

Ich hoffe, Sie denken sich ihren Teil? Vielleicht haben Sie schon eine Antwort gefunden? Vielleicht haben Sie sogar schon eine Idee, wie so ein Ort aussehen sollte. Was konkret er bieten müsste. Wo er in Buckau sein könnte.

Wir haben uns diese Gedanken gemacht! Und würden Sie gerne einladen, diese mit uns zu diskutieren!

 

Stadtzeitzeugen

Der kalte Wind weht mir um die Nase und zieht an meinem Mantel, als ich an der Elbuferpromenade entlang spaziere. Die Elbe findet ihren Weg links unter mir, während die ersten Sterne über der Sternbrücke im Süden mir entgegenlächeln. Rechts von mir, in der nahenden Dämmerung eingehüllt, erstreckt sich die alte Festungsmauer in die Höhe des Himmels. In der kühlen Winterluft streifen meine Gedanken durch die anbrechende Nacht.

Noch nie zuvor habe ich ein Gefühl der Achtung und der Würde für diesen Mauerabschnitt, der die Grenzen Magdeburg bis in das 19.Jahrhundert hinein bildete, empfunden. Doch nun entstehen weitere Bilder, Vorstellungen, die Erinnerungen eines anderen Lebens hätten sein können: Magdeburg während der Jahrhundertwende, eine Stadt mit fleißigen Menschen, die nachmittags auf dem heutigen Breiten Weg hinübergingen und so wie ich heute, die  die abendliche Atmosphäre der Elbe und die Lichter der Stadt genießen. Menschen, die während der Kriegsjahre in Angst und mit Schrecken durch diese Gassen gingen, in der ständigen Gefahr eines Luftangriffes. Fliegerbomber, Motorengeräusche, das Geräusch fliegender Geschosse, die bald den Boden erreichten, Gebäude zerstörten, Menschenleben vernichteten. Nach Ende des Krieges, nach allem Schrecken, Entbehrungen und Verlusten, erblickten sie nicht nur ihre Stadt in einem einzigen Trümmerhaufen, einem Ort, an dem zuvor noch Freude und Spaß existierten, Geschäftsgebäude, an denen sie sich orientierten, kleine Läden und Theken, die ihre Waren der Bevölkerung warben. Von diesen ist durch die vielen Bombenangriffe kaum etwas übrig geblieben. Nur Schutt und Asche, Steine, Trümmer, Staub.

Dieser Gedanke macht mich traurig und drückt auf mein Herz, als ich den Weg zum Domplatz nehme, die vertrauten Gebäude auf dem Breiten Weg winken mir zu, versuchen, diese trübseligen Gedanken zu entfernen, die sich in mir anbahnen. Fragen über Fragen, es bahnt sich eine Vorstellung an von dem Schicksal so vieler Leute. Was fühlten diese Menschen beim Anblick einer Trümmerlandschaft, in der sie ihre Stadt nicht wiedererkannten? Wo war ihr Magdeburg geblieben? Wie konnten die Menschen aus den leeren, zerstörten Straßen, an denen noch zuvor prächtige Gebäude, Wohn- und Geschäftshäuser standen, die einmal ihre Heimatstadt gewesen war, wieder aufbauen? Wie sollte es weitergehen? Wie plant und organisiert man den Wiederaufbau einer Stadt, die nicht mehr als eine wilde Landschaft von Stein und Schutt darstellt?

Ich blicke auf. Lachende Jugendliche kreuzen meinen Weg, ältere Herrschaften, die an den Geschäften schauen und langsam und bedächtig ihren Weg fortsetzen, ein junges Liebespaar, das das bunte Hundertwasserhaus begutachtet. Ein Kind pfeift eine Weihnachtsmelodie. In den Restaurants und Cafès sitzt man bei Kaffee, Tee und Glühwein, wärmt sich auf, schwatzt und scherzt und jeder hat ein Lächeln auf dem Gesicht. Mein Blick schweift die Straße hinauf und hinab, während ich meinen Weg fortsetzte. Haben auch die heutigen Bewohner der Stadt einen Stolz auf Magdeburg? Fühlen Sie ähnlich, fragen sie sich, wie es kam, dass die Stadt so und nicht anders aussieht? Welche Mühen und Probleme hatten die Städteplaner? Wieso sieht man heute andere Straßenzüge, welche Bedeutung haben Plätze, Gassen, Winkel? Welche Geschichten können dir die Straßenecken zuflüstern, wo wartet die nächste Erzählung aus vergangenen Tagen?

Was seht ihr in Magdeburg? Wie soll Magdeburg sein, was ist es schon, wie war es einst?

Träumt mit euren Traum dieser Stadt und entdeckt, was sie noch alles für euch bereit hält!

 

 

 

Eingestellt am 07.12.08 von Deborah Riemann um 12:12 Uhr.