Veranstaltungen
Magdeburg ausspioniert
Die Veranstaltung Zeitenpost hat am 03.12.08 um 18:30 Uhr stattgefunden
und wurde von Julia Ehritt organisiert.
Es ging um die Vergangenheit Magdeburgs.
Briefe und alte Dokumente sind Zeugen der Geschichte einer Stadt. Sie erzählen von persönlichen Erlebnissen und geben damit einen Einblick in längst vergangene Geschehnisse. Es wird vor allem die DDR-Zeit beleuchtet, weil die junge Generation diese nicht mehr bewusst erlebt hat, sie aber fest verankert ist in der Vergangenheit ihrer Eltern.
Dokumentation
Am Dritten Tag des Magdeburger StadtTräume-Weihnachtskalenders stand die ehemalige Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit der DDR im Mittelpunkt.
An jenem Ort wurden in den 50er und 60er Jahren viele DDR-Bürger wegen angeblicher „Spionage“ oder „Staatsfeindlicher Hetze“ in politische Haft gebracht. Später erweiterten sich die Haftgründe auf Menschen, die ihr Recht auf Meinungsfreiheit wahrnehmen wollten oder versucht hatten, das Land per Flucht oder Ausreiseantrag zu verlassen. Sie wurden von der Staatssicherheit inhaftiert und unter Verletzung der Menschenrechte zu einem umfassenden Geständnis eines Staatsverbrechens gezwungen. Auf dieser Grundlage erfolgte die Verurteilung zu jahrelanger Haft in Strafvollzugsanstalten.
Kaum vorstellbar ist, dass auch junge Menschen im Alter von nicht einmal 18 Jahren über mehrere Wochen oder länger in dieser Anstalt festgehalten wurden. Einige dieser Jugendlichen hielten die Erfahrungen und Gedanken in Briefen an ihre Angehörigen oder Tagebucheinträgen fest, welche es heute ermöglichen, jene kaum vorstellbaren Momente nachzuvollziehen. Zu Beginn der Veranstaltung wurden einzelne Ausschnitte dieser Berichte von der Organisatorin dieses Projektes, Julia Ehritt und der Moderatorin Jacqueline Piwon vorgelesen. Im Anschluss bekamen die Besucher der Veranstaltung eine Führung durch die Ausstellung, welche sich in den Räumen der Haftanstalt befindet. Der Schwerpunkt jener Führung galt den so genannten IMs (inoffizielle Mitarbeiter). Diese waren oft auch Jugendliche, welche von der Staatssicherheit als Spione ausgenutzt wurden. Durch gezielte psychische Methoden gelang es der Staatssicherheit, Vertrauen zu den jungen Menschen aufzubauen und sie für ihre Ideologie zu begeistern. Die IMs wurden dann regelmäßig befragt, was die Menschen in ihrem Umfeld, wie Freunde und Verwandte, taten und dachten und ob sie Auffälligkeiten, welche sich gegen die Deutsche Demokratische Republik richteten, beobachten konnten.
Eine Mitarbeiterin der Ausstellung berichtete von einem Extremfall in dem ein 12-jähriger Junge zu einem IM ausgebildet wurde.
Ein großes Interesse bestand, als die verschiedenen Überwachungs- und Beweisdokumentationsmethoden der Staatssicherheit erläutert wurden. Ein Teilnehmer stellte fest, dass es unsere Pflicht heute sein muss, die Freiheit, die wir heute besitzen und welche für die Menschen von damals vollkommen undenkbar war, zu schützen. Daher gab die Mitarbeiterin der Ausstellung den Besuchern abschließend den Rat, dass „die Menschen die Entwicklungen bezüglich einer staatlichen Kontrolle stets kritisch beleuchten müssen um die Wiederkehr von Situationen, wie sie damals vorherrschten, zu verhindern.“