Veranstaltungen

DAS ist Magdeburg

Die Veranstaltung DAS ist Magdeburg hat am 24.12.08 um 21:00 Uhr stattgefunden und wurde von Deborah Riemann organisiert.
Es ging um die Gegenwart Magdeburgs.

24 Dezembertage sind nahezu verstrichen – „StadtTräume“ neigt sich dem Ende zu. Morgen findet die 24. und letzte Veranstaltung statt. Alle Magdeburger sind dazu angehalten, etwas, was sie mit Weihnachten verbinden, morgen im Laufe des Tages in den Dom zu bringen. Dort werden diese Erinnerungsstücke an der großen Weihnachtstanne aufgehängt und können ab 21 Uhr von jedermann besichtigt und bestaunt werden.

Der Einlass befindet sich am Remtergang Die Veranstaltung wird in der Großen Sakristei stattfinden, die vom Kreuzgang aus erreichbar ist. Als Eingang wird daher auch nicht der Haupteingang des Domes genutzt, sondern der Remtergang. Dieser ist an der Südseite des Domes, am Kopfende der Hegelstraße, direkt neben dem Pfarrhaus.

Der Eingang wird durch ein StadtTräume Schild gekennzeichnet sein.

Adresse: Am Dom 1, 39104 Magdeburg

Dokumentation

Paul Bär träumt Magdeburg

Es war einmal eine Stadt, die viele Menschen nicht so sehr mochten und ihr mit Vorurteilen begegneten. Auch ich, Paul Bär, gehörte dazu. Als Bewohner der Bundeshauptstadt schaute ich immer mit einer gewissen Arroganz auf die Nachbarstadt.

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Doch nun musste ich mich eines besseren belehren lassen. Als ich eines Tages in Köln war, traf ich zwei Magdeburger und beide waren von ihrer Stadt unglaublich begeistert und interessierten sich für die Geschehnisse in der Stadt. Während wir uns so unterhielten da wuchs auch mein Interesse. Ihre Projektidee fand ich schon sehr größenwahnsinnig, aber ich wollte sie darin unterstützen. Die beiden wollten Magdeburg in einen Weihnachtskalender verwandeln, jeden Tag sollte sich ein Türchen eines besonderen Ortes für eine Veranstaltung öffnen. Insgesamt 24 Veranstaltungen.

Was für einen langen Weg sie damals im März noch vor sich hatten. Freunde finden, die sie beim Projekt unterstützten, Geldmittel für das Projekt zu erhalten, Partner gewinnen. Mit Spannung verfolgte ich jede neue Nachricht. Im Juli war dann das Team fast komplett: 20 Personen.

Das Team entwickelte die Ideen für die Einzelveranstaltungen weiter, jeder verlieh der Idee seine eigene Note und ich schaute zu und war begeistert von den vielen kleinen werkelnden Menschen.

Nun stand auch schon der Dezember vor der Tür. Ich wollte mir natürlich keine Veranstaltung entgehen lassen und wurde von meinen Menschen-Freunden mit zu jeder Veranstaltung genommen. Das war eine Zeit- und Raumreise durch die Stadt.

Einst war es im Mittelalter wohl eine große stolze Handelsstadt, an der jeder Schifffahrer, der nach Hamburg wollte vorbei musste. Die Bürger waren sehr stolz und in ihrer Zeit sehr modern. Sie brachen als erste Stadt mit dem katholischen Glauben und traten komplett zum evangelischen Glauben über. Dies gefiel natürlich dem Papst und der katholischen Kirche nicht wirklich gut. Und schon stand ich mitten drin: im dreißig-jährigen Krieg als 1631 Magdeburg von katholischen Truppen belagert wurde. Wie gruselig. Magdeburg galt als uneinnehmbar, aber der Angriff im Morgengrauen kam zu überraschend für die Stadtbevölkerung. Was Tillys Truppen der Stadtbevölkerung antaten war grauenhaft – als die Magdeburger Bluthochzeit ging dieses Ereignis in die Geschichte ein: von den 30.000 Stadtbewohnern überlebten nur sehr wenige diesen Angriff. Als ich mir den Film ansah, musste ich Weinen, so etwas ist doch nichts für kleine Teddyohren.

Nach dieser schrecklichen Zerstörung wurde Magdeburg als Festungsstadt wieder aufgebaut. Einige Bauwerke zeugen noch heute von dieser ehemaligen Stadtbebauung. Bei einer Führung durch die Festungsanlage in der Maybachstraße erhielt ich einen tollen Einblick in die Festungsgeschichte Magdeburgs. Aber auch diese bauliche Substanz hielt nicht lange. Mit der Industrialisierung wollte die Stadt wachsen und wurde zu klein, daher wurden die Anlagen zurückgebaut. Mit den 20er Jahren hielt ein frischer Anstrich in der Stadt Einzug. Der Bauhaus Architekt Bruno Taut lies einige Häuser des Breiten Wegs und Straßenbahnen bemalen – für Umbauten war kein Geld da, aber die Stadt sollte verschönert werden. Mit der historischen Straßenbahn fuhr ich dann auch durch das Magdeburg der 20er Jahre und war erstaunt, wie viele Gebäude aus dieser Zeit noch standen.

Aber die Menschen sind ein merkwürdiger Schlag Lebewesen – sie können so viele schöne Dinge schaffen, wie Architektur, Malerei und Darstellende Kunst, aber diese kreative Energie kann sich so schnell in Zerstörung umlagern. Warum tuen sie sich das an? Bei Zeitzeugen-Gesprächen berichtete eine Frau, wie sie bei den Bombenangriffen am 16. Januar 1945 auf Magdeburg mit ihrer Mutter floh. Ich war erschüttert und ergriffen als ich davon hörte.

Eine komplett zerstörte Stadt, Orte die nie mehr so wieder kommen werden. Warum machen die Menschen so etwas? Magdeburg scheint das sehr getroffen zu haben und den Weg für die kommenden 50 Jahre vorgezeichnet zu haben. Der ehemalige Bauingenieur Bruno Krayl Sagte beim Zeitzeugengespräch: "Wenn man den Kern einer Stadt zerstört, dann raubt man ihr ihre Identität und das ist in Magdeburg passiert." Der Aufbau erfolgt nun nach anderen baulichen Prinzipien.

Achja, Magdeburg muss einmal sehr schön gewesen sein. "Wieso kann es nicht zu alter Blüte zurückkehren?", fragte ich mich ganz besorgt nach den Veranstaltungen. Doch da folgte auch schon das Wochenende mit dem Magdeburg in Zahlen Workshop und der Präsentation von Traumstadt. Magdeburger Jugendliche und Studenten haben wirklich klasse Ideen. Diese Wochenenden haben mir gezeigt, dass gerade die nicht so schönen Ecken in Magdeburg sehr viel Möglichkeiten für Jugendliche bieten, sich frei auszuleben. Was Jugendliche sich so wünschen in Magdeburg haben Studenten der Bildungswissenschaften bei Interviews auf der Straße herausgefunden.

Gemeinsam mit Architekturstudenten und cultural engineers haben sie für eine Brache ein Nachnutzungskonzept entwickelt. Beim Workshop im Oktober durfte ich mit auf das Gelände kommen – das war total aufregend. Die Architekten haben dann erzählt, wie der Raum aussehen könnte – klasse, ich konnte mir das super vorstellen mit dem Hochseilgarten und Café und dem Atelierhaus und dem Haus der Begegnungen.

Bei Magdeburg in Zahlen gingen wir auf Schatzjagd. Das war ein Spaß. Mit Hüten bewaffnet, ging es dann auf Ideenjagd für Zahlenmodelle. Tolle Sachen sind dabei herausgekommen. Ich hoffe, dass die eine oder andere Zahl umgesetzt werden kann. Mein persönlicher Favorit ist ja die …..

Für das Fahnenmonument am Petriförder und die Infotafel in der Bastion Cleve wurden auch ganz tolle Ideen aus der ganzen Republik eingereicht. Da waren super spannenden Sachen dabei. Die beiden Gewinner hatten das wirklich verdient. Leider darf an dem Fahnenmonument nichts verändert werden.

Uff, so viel habe ich gesehen und gelernt über Magdeburg – meine Freunde aus dem Team haben mich immer begleitet und ich durfte immer ganz vorne Sitzen bei den Veranstaltungen. Ich bin ja auch so klein, dass ich sonst nichts sehe. Magdeburg ist schon super. Ich verstehe jetzt viel besser, warum es so aussieht wie es ist und ich kenne ganz, ganz viele sehr spannende Orte, an denen ich super meine freie Zeit verbringen könnte: Die Feuerwache, der Moritzhof, das ArtDepot. Es gibt so viel Kultur in Magdeburg – sicherlich gibt es in Berlin mehr, aber für die Größe Magdeburgs ist das schon beachtlich.

Ich habe viele tolle Leute kennen gelernt. Literaturbegeisterte, Medienmacher und viele mehr. Wenn Magdeburg die eigenen Potentiale mehr nutzt, dann ganz es richtig groß rauskommen.

Leider muss ich morgen schon wieder nach Berlin zurück, um dort Weihnachten zu verbringen. Aber es hat mir sehr gefallen und ich komme auf jeden Fall noch mal her.